Guest Fellowships 2020

Künstler*innen waren und sind in der Corona-Krise oft existenziell betroffen und zugleich in ihrer Fähigkeit zur interdisziplinären, kritischen und freien Interpretation gesellschaftlicher Zusammenhänge besonders gefragt. In Reaktion auf die Covid-19 Pandemie mit ihren gesellschaftlichen Einschränkungen und aus der Erfahrung unserer Fellowships hat PACT Guest Fellowships ins Leben gerufen, mit denen 20 Künstler*innen in der Fortsetzung und Weiterentwicklung ihrer aktuellen Arbeit unterstützt werden. Die Förderung ist dabei nicht projektspezifisch oder auftragsgebunden angelegt, sondern zielt darauf ab, den ausgewählten Künstler*innen die grundsätzliche Fortführung ihrer Arbeit zu ermöglichen, Recherchen fortzusetzen und neue Netzwerke aufzubauen.

Die 16 Künstler*innen wurden durch einen interdisziplinären Beirat vorgeschlagen – unser Dank gilt: Fanti Baum & Olivia Ebert, Johanna-Yassira Kluhs, Christine Peters, Leonie Radine

Meet our Guest Fellows!

Khosrou Mahmoudi
© Photo: Peter Kapusta

Khosrou Mahmoudi

»Meine Anfänge als Schauspieler finden sich 1991 im Iran am Stadttheater Teheran. Im Iran arbeitete ich in vielen verschiedenen Bereichen von Theater bis Film.« Khosrou Mahmoudi kam 2008 auf Einladung von Roberto Ciulli, künstlerischer Leiter des Theaters an der Ruhr, als Schauspieler und Regieassistent nach Mülheim und war dort bis zum Ende der Spielzeit 2013 fest engagiert. Nach seiner Kündigung wirkte Mahmoudi ab September 2013 als freier Schauspieler, u.a. in mehreren Produktionen der Gruppe Vorschlag:hammer und der Gruppe KGI – Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten.

»In dem von mir vorgeschlagenen Projekt werde ich mich auf das Thema Müll/Müllproduktion konzentrieren, und die extrem negativen Effekte auf das Leben von Tieren und die Natur künstlerisch verhandeln. Es ist egal, in welchem Element sich ein Tier bewegt, wo es lebt, im Wald, im Wasser oder in der Luft. Die Effekte der Vermüllung durch Plastik sind totalitär. Trotz einer größeren Aufmerksamkeit durch die Politisierung von Fridays for Future wird die weitreichende Verseuchung durch den Stoff und die folgenden Konsequenzen nach wie vor bagatellisiert. Meine ästhetische Auseinandersetzung mit dem Thema, wird eine Tanzperformance sein. Das zentrale Material ist Plastik. Wir werden es sammeln und auf der Bühne verwenden. Je länger die Performance läuft, desto mehr gerät der Raum aus dem Gleichgewicht, desto mehr Plastik füllt sich an. Welche Qualitäten finden wir in dem Material, das uns alle überleben wird, was können wir damit tun, bevor es uns erstickt?«

Bertrand Lesca & Nasi Voutsas
© Photo: Berta Vincente

Bertrand Lesca & Nasi Voutsas

Bertrand Lesca und Nasi Voutsas, die kürzlich mit dem Forced Entertainment Award in Großbritannien ausgezeichnet wurden, sind international für originellen, politischen Theaterstücke bekannt. Ihre Arbeiten, die sie zugleich in einer Zeit der Sparmaßnahmen und über Sparmaßnahmen schaffen, sind sehr zurückgenommen und liegen irgendwo zwischen Live-Kunst und Theater – wenn man die beiden aber dazu zwingen würde, sich zu entscheiden, würden sie wohl „Theater“ sagen. Mit Humor und der Auseinandersetzung mit der Dynamik ihrer Beziehung auf der Bühne untergraben und erforschen Lesca und Voutsas die Schattenseiten zeitgenössischer Themen – dabei hinterfragen sie sowohl ihre eigene Rolle – als auch des Publikums – als "aktive" Beobachter:innen in globalen Konflikten.
Gemeinsam entstand die Trilogie ›EUROHOUSE‹, ›PALMYRA‹ und ›ONE‹, in der Lesca und Voutsas Machtdynamiken und politische Themen auf der Ebene menschlicher Mikrokosmen erforschten, um komplexe politische und soziale Fragen in einer zugänglichen, unmittelbaren Form darzustellen.
Zu ihren jüngsten Projekten gehören ›IT DON'T WORRY ME‹ – ein Stück, das über Kulturen hinweg mit der spanisch-katalanischen Kompanie Atresbandes Erscheinungsformen der Political Correctness erforscht und THE END – ein Tanzstück, das in Zusammenarbeit mit der Choreografin Laura Dannequin entstand und den Zusammenbruch ihrer eigenen Arbeitsbeziehung vor dem Hintergrund der drohenden Klimakatastrophe erforscht.