Journal
Insights, Perspektiven,
Aktionen & Impulse

Luiza Prado de O. Martins: Eine Topografie der Exzesse

Luiza Prado de O. Martins beschäftigt sich in ihrem aktuellen künstlerischen Forschungsprojekt mit technischen Methoden zur Geburtenkontrolle und setzt diese in Relation zu kolonialen Prozessen der Konstruktion und Produktion von Rasse, Gender und Sexualität. Sie hinterfragt, inwiefern die Exzesse, die marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen durch eurozentrische Vorstellungen von Körper, Wissen, Sexualität und Subjektivität zugeschrieben werden, grundsätzlich mit kolonialen Gewalttaten verbunden sind.

Heather Dewey-Hagborg: Artist Talk

Die transdisziplinäre Künstlerin und Vermittlerin Heather Dewey-Hagborg zeichnet sich durch eine kritische und forschungsorientierte Praxis aus, die mitunter Methoden des Biohacking implementiert. Internationale Aufmerksamkeit wurde ihr für das biopolitische Kunstprojekt ›Stranger Visions‹ (2012—14) zuteil, bei dem es sich um eine Serie von Porträtskulpturen handelt, die aus der Analyse der DNA weggeworfener Gegenstände wie Haaren, Zigaretten und Kaugummis erstellt wurden.

Senthuran Varatharajah: Ecotopia

Im Mai 2019 entwickelte der Autor Senthuran Varatharajah für die Burg Hülshoff gemeinsam mit der Rock-Band RÁN, und dem Architekten und Szenografen Alper Kazokoglu die Arbeit ›Ecotopia‹. Sie ist Installation, Text-Performance und Musik-Show zugleich. Varatharajah hat sich dafür mit den historischen Wurzeln der Ökologie und ihrer Verbindung zum Kolonialismus auseinandergesetzt.

Jens Hauser, Aliens in Green & Špela Petrič : Mikroperformativität und Biomedialität

Der jüngst geprägte Begriff Mikroper­formativität betont die Notwendigkeit, gegenwärtig nicht-menschlichen (biologischen und technischen) Akteur*innen zunehmend Aufmerksamkeit beizumessen. Er stellt die mesoskopische Tradition in Frage, in der unsere phänomenologischen Überlegungen immer noch verwurzelt sind.

knowbotiq: Deep Access – Molecular Joy and Abstract Sex

Das Künstler*innenduo knowbotiq untersucht in jüngeren Projekten politische Landschaften mit dem Fokus auf algorithmische Gouvernementalitäten, libidinöse und affektive Ökonomien und postkoloniale Gewalt. Innerhalb einer beispiellosen Zirkulation von Biokapital und Wissen werden kreationistische Konzepte von Leben unter den Rasterelektronenmikroskopen von Laboren prozessiert.

Emilia Sanabria: Speaking Plants – dekoloniale Perspektiven auf Ayahuasca, Animism und Heilung

Pflanzen sind Teil ihrer Welten. Indigenen Erkenntnistheorien folgend, sind sie fühlende Wesen, können Weisheit vermitteln, über Handlungsmacht verfügen und Absichten verfolgen. Ihnen werden dabei unterschiedliche Formen von Fürsorge entgegengebracht: Pflanzen können Teil einer verwandtschaftlichen Struktur sein. So sind sie in ihrer Genealogie tief mit dem Einfluss des Menschen, der sie domestiziert und vermehrt, verbunden.

Astrid Deuber-Mankowsky: Google_Baby und das Lebenskonzept

Die Medienwissenschaftlerin Astrid Deuber-Mankowsky veröffentlichte 2017 einen Aufsatz zum Film ›Google_Baby‹ mit dem Thema der Globalisierung von Schwangerschaft und ihrer filmischen Dokumentation. In einem kurzen Impuls gibt sie einen Einblick in ihre Forschungen zu diesen Themenkomplexen und diskutiert im anschließenden Gespräch mit Fabian Saavedra-Lara grundlegende Fragen zu unterschiedlichen Lebensbegriffen, die in den künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträgen des Festivals widerklingen.

Marie-Luise Angerer: Eine neue Zone des Nichtbewussten – wo Leben und Technik aufeinandertreffen

Die Welt ist empfindsam geworden: von der Pflanze bis zum Baum, vom Kühlschrank bis zum Auto. Überall regeln Sensoren Gleichgewicht, Sicherheit, Emotionen, Wasser- und Lichthaushalt. Nano- und Sensortechnologien übersetzen zwischen natürlichen und artifiziellen Prozessen, machen diese übertragbar und verschalten dadurch ehemals getrennte Bereiche.

The Agency, Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky: Medusa Bionic Rise

Für die Recherche zu ›Medusa Bionic Rise‹ arbeiteten The Agency u. a. mit der Soziologin Paula-Irene Villa. Auf Grundlage ihrer Gespräche entstand das futuristische Setting der Arbeit — ein Techno-Gym für die Selbstoptimierung durch Biohacking und Pharma-Doping. Mit Paula-Irene Villa sprechen die Künstlerinnen über den Körper in der Gegenwart und seine Veränderbarkeit auf der technischen, biologischen und diskursiven Ebene. Was bedeutet Körperlichkeit in einer Welt der absoluten Selbstoptimierung?